BMW bringt Figure 03 in die Werkslogistik in Spartanburg

BMW verlagert seine Arbeit mit Humanoiden von einem Karosseriebau-Pilotprojekt zu einer neuen Aufgabe in der Logistiksequenzierung im Werk Spartanburg.

BMW bereitet im Werk Spartanburg in South Carolina den nächsten Schritt seiner Arbeit mit humanoiden Robotern vor. Das Unternehmen hat ein Projekt mit Figure AIs Figure 03 angekündigt. Nach einem früheren Einsatz im Karosseriebau soll der Schwerpunkt nun auf der Logistiksequenzierung liegen: Der Roboter soll unsortierte Bauteile aus größeren Behältern entnehmen und in der richtigen Reihenfolge in Sequenzwagen einsortieren.

Das Vorhaben ist ein weiterer Test für Physical AI, also die Verbindung von künstlicher Intelligenz, Sensorik und Maschinen, die ihre reale Umgebung wahrnehmen und darin handeln. BMW ordnet das Projekt seiner iFACTORY-Strategie zu. Die Ankündigung beschreibt jedoch ein begrenztes Vorhaben und ist kein Beleg für eine uneingeschränkte Einsatzreife humanoider Roboter.

Vom Karosseriebau zur Logistiksequenzierung

BMWs frühere Arbeit mit Figure 02 konzentrierte sich auf einen wiederkehrenden Produktionsschritt. Nach Angaben des Unternehmens unterstützte der Roboter über zehn Monate die Fertigung von mehr als 30.000 BMW X3, indem er Blechteile in Vorrichtungen zum Schweißen einlegte. Dadurch konnten Bewegung, Prozessintegration und das Zusammenspiel mit vorhandener Technik untersucht werden.

Figure 03 wechselt nun in die Logistik. Bei der Sequenzierung müssen die richtigen Komponenten in der richtigen Reihenfolge und zum richtigen Zeitpunkt an der Linie ankommen. Der Roboter muss Teile in einem gemischten Behälter erkennen, sicher greifen und korrekt ablegen. Entscheidend ist nicht eine einzelne spektakuläre Bewegung, sondern verlässliche Wiederholung unter wechselnden Bedingungen.

Was Figure 03 leisten soll

BMW zufolge soll Figure 03 unsortierte Komponenten aus Großbehältern aufnehmen und in Sequenzwagen sortieren. Dafür sind Bildverarbeitung, Objekterkennung, Greifplanung und kontrolliertes Ablegen erforderlich. Teile können übereinanderliegen, unterschiedlich ausgerichtet oder teilweise verdeckt sein. Das System muss sich daher anpassen, statt lediglich eine fest programmierte Bewegung zu wiederholen.

Die Formulierung ist wichtig: BMW hat das Projekt und die vorgesehene Aufgabe angekündigt, aber noch keinen abgeschlossenen Serieneinsatz von Figure 03 in Spartanburg gemeldet. Die nächste Phase muss zeigen, wie das System mit Taktzeiten, wechselnden Positionen und den Sicherheitsanforderungen in der Nähe von Beschäftigten und Maschinen umgeht.

Lehren aus dem Figure-02-Einsatz

Der frühere Einsatz liefert den unmittelbaren Hintergrund. BMW berichtet von mehr als 30.000 unterstützten X3-Fahrzeugen über zehn Monate. Das ist eine Unternehmensangabe aus einer bestimmten Anwendung und keine allgemeine Bestätigung humanoider Robotik für die gesamte Automobilindustrie.

Dennoch ist die Fortsetzung relevant. BMW behandelt den Humanoiden nicht nur als Vorführgerät, sondern überträgt Erfahrungen aus einer kontrollierten Aufgabe auf eine zweite. Der menschliche Körperbau könnte dort nützlich sein, wo Räume, Arbeitsplätze und Werkzeuge bereits für Menschen gestaltet wurden und eine vollständige Neuplanung teuer wäre.

Hardware für den Fabrikeinsatz

BMW nennt weiche Bauteile, taktile Sensoren, Kameras in den Handflächen, kabelloses Laden und Audiokommunikation als Merkmale von Figure 03. Sensoren und Handkameras können die nahe Objektmanipulation unterstützen. Weichere Außenflächen können bestimmte Folgen unbeabsichtigter Kontakte mindern, doch sichere Abläufe hängen weiterhin vom Gesamtsystem und den Betriebsvorschriften ab.

Kabelloses Laden könnte Energiepausen ohne manuelles Anschließen ermöglichen, während Sprachkommunikation die Zusammenarbeit mit Personal erleichtern kann. Diese Funktionen zeigen eine Ausrichtung auf integrierten Betrieb. Zuverlässigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit müssen jedoch durch messbare Ergebnisse im realen Prozess belegt werden.

Humanoide neben bestehender Automation

Autofabriken nutzen bereits Industrieroboter, Fördertechnik, fahrerlose Transportsysteme und spezialisierte Handhabung. Humanoide werden diese Infrastruktur kaum vollständig ersetzen. Ihr möglicher Vorteil liegt in flexiblen Bereichen mit wechselnden Aufgaben oder Arbeitsplätzen, die für Menschen ausgelegt sind.

Die Logistiksequenzierung ist deshalb ein sinnvoller Test. BMW kann Genauigkeit, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Eingriffsbedarf und Sicherheit mit bestehenden Verfahren vergleichen. Diese Betriebsdaten sind langfristig wichtiger als die äußere Form des Roboters.

RoviVox Einschätzung

Das Figure-03-Projekt ist relevant, weil es auf einem früheren Produktionseinsatz aufbaut und ein konkretes Logistikproblem adressiert. Damit liefert es potenziell mehr Erkenntnisse als eine Messevorführung. Es bleibt aber ein geplantes Projekt eines Unternehmens an einem Standort.

Die zentrale Frage lautet, ob Humanoide neben ausgereifter Automation wiederholbaren Nutzen ohne unverhältnismäßige Kosten und Komplexität bieten. Spartanburg könnte darauf eine klarere Antwort geben, sofern BMW nach dem Einsatz messbare Ergebnisse veröffentlicht.

Quellen